Senior Product Line Manager Motorsport Adrian

TIPPS ZUM LEBEN UND ARBEITEN IM AUSLAND

Adrian Cuevas Lead Product Line Manager Motorsport Footwear

Dir steht ein Umzug aus beruflichen Gründen bevor? Damit habe ich Erfahrung. Die Mitglieder meines Teams in PUMAs Unternehmenszentrale kommen aus neun verschiedenen Ländern, nahezu jeder von ihnen ist also mindestens schon ein Mal umgezogen. Wir kennen uns mit kulturellen Eigenarten und Pannen gut aus.

Senior Product Line Manager Motorsport Adrian

Ich bin in Mexiko geboren und aufgewachsen, habe dort drei Jahre lang bei PUMA Latin America und dann vier Jahre bei PUMA Chile gearbeitet. Nach Deutschland kam ich vor einem Jahr. Hier sind fünf Tipps, die dir helfen sollen, dich auf das Leben und Arbeiten in einem fremden Land vorzubereiten, um deinen Aufenthalt dort erfolgreich zu meistern.

Im Gegensatz zur Uni, wo man ja in ganz bestimmten Fächern ausgebildet wird, bietet das Leben häufig die besten Lernmöglichkeiten. Die Jahre, die ich für mein Master-Studium in Sydney verbracht habe, waren von Vielfalt geprägt, denn die Stadt ist wirklich international. Damals wusste ich noch nicht, dass mich dieser Aufenthalt optimal auf meine künftigen Umzüge vorbereiten sollte. Da die Menschen in meinem Umfeld aus allen möglichen Ländern kamen, boten sich mir zahlreiche Gelegenheiten, in eine mir bis dahin unbekannte Kultur einzutauchen, Bekanntschaften zu machen und Essen zu probieren, von dem ich vorher nie gehört hatte. Seit Sydney weiß ich, wie weit Aufgeschlossenheit, Neugier und Akzeptanz mich bringen können.

BEGEGNE DER NEUEN KULTUR UNVOREINGENOMMEN

Es ist vielleicht nicht leicht nachzuvollziehen, aber beim Wechsel von Mexiko nach Chile war der Kulturschock in vielerlei Hinsicht größer als bei meinem Umzug nach Deutschland. Ich war mir einfach sicher, dass sich das Leben und Arbeiten in Chile nicht so sehr von dem in Mexiko unterscheidet. Ich ging davon aus, dass die Kommunikation einfach sein würde, weil in beiden Ländern Spanisch gesprochen wird. Außerdem dachte ich, kulturell und küchentechnisch lägen sie ungefähr auf einer Wellenlänge. In allen Punkten lag ich voll daneben. In Chile wird zwar Spanisch gesprochen, aber mit einem ganz anderen Akzent und ganz anderer Umgangssprache. Meiner Meinung nach sind die Chilenen generell auch ein bisschen schüchterner als meine Landsleute. Das bedeutete für mich, dass viele Menschen höflich und hilfsbereit waren, aber ich länger als erwartet gebraucht habe, um echte Freundschaften zu schließen. Das Essen war eine neue Welt für sich, mit ganz anderen Gerichten und Geschmacksrichtungen. Mexikanisches Essen war praktisch nicht zu finden.

MEIN BESTES BEISPIEL DAFÜR, WIE WICHTIG ES IST, SICH AUCH MIT DEM SPRACHLICHEN DIALEKTEN AUSEINANDERZUSETZEN, HAT MIT DEM ERSTEN BESUCH MEINER ELTERN ZU TUN:

Im Taxi vom Flughafen berichtete der Fahrer, es sei gerade Taco-Zeit. Sie freuten sich und baten ihn, sie in das nächste Restaurant zu fahren. Er erklärte, dass Taco auf Chilenisch Verkehr heißt – es war also nur Rush Hour, leider keine besondere Essenszeit für mexikanische Spezialitäten. Der Fahrer wollte meine Eltern vorwarnen, dass sie sich auf eine lange Fahrt einstellen mussten.

LERNE DIE SPRACHE, SO GUT DU KANNST

Ich war für den Kulturschock in Europa gewappnet und hatte mit Schwierigkeiten gerechnet, die dann aber so gut wie nicht eintraten – außer natürlich mit der Sprachbarriere, selbst in der Großstadt. Meine Empfehlung: Nutze deine Freizeit in den ersten Monaten, um die Sprache zu lernen. Das hört sich zwar nicht nach Freizeit an, zahlt sich aber aus. Um die Kultur des neuen Landes zu genießen und dich darin wohlzufühlen, musst du ins Theater, in Konzerte, in Kinos oder in Museen gehen können, und auch der Umgang mit Behörden, die Auswahl im Restaurant oder im Supermarkt oder, ganz simpel, das Gespräch mit Menschen auf der Straße sind echte Herausforderungen, jeden Tag aufs Neue. Zwar kämpfe ich immer noch mit der Sprache, aber das positive Arbeitsumfeld und das aufregende Leben, das mich hier in Deutschland erwartet, motivieren mich.

MERKE: MANCHE DINGE HABEN GAR NICHTS MIT DIR ZU TUN

Während meiner Zeit bei PUMA Chile habe ich viel mit Argentiniern zusammengearbeitet. Ich empfand den Umgang im Büro als sehr leidenschaftlich und ausdrucksstark. Das ging sogar so weit, dass ich anfangs in den Meetings dachte, die Kollegen würden sich streiten. Nach dem Treffen lachten sie aber wieder, umarmten sich und gingen ihrer Wege. Daraus habe ich gelernt, dass es gut ist, wenn man sich so ausdrücken darf, wie man es gewohnt ist. Ich weiß nun, dass das nichts mit mir zu tun hat, dass ich manche Dinge nicht persönlich nehmen und nicht überreagieren darf.

NUTZE EINEN RELOCATION-SERVICE UND BITTE KOLLEGEN ODER VORGESETZTE UM HILFE

PUMA hat mir beim Umzug von einem Kontinent auf den anderen sehr geholfen. Dass ich immer großartige Vorgesetzte hatte, war natürlich Glück. Sie haben mir alles gezeigt, mir Ratschläge gegeben, für mich übersetzt und mich den Kollegen vorgestellt. Man kann den Vorgang aber selbstverständlich auch proaktiv angehen: Stell ruhig Fragen und bitte um Tipps. Überall findest du Leute, die gerne helfen.

ZIEH KEINE VOREILIGEN SCHLÜSSE

In all den Jahren habe ich gelernt, dass der erste Eindruck von Menschen und Dingen nicht unbedingt Bestand hat. Wenn du in deinem neuen Leben ankommen willst, lass dich darauf ein, Teil deiner Erfahrungen zu werden und dort zu wohnen, als ob es für immer ist. Die wichtigste Lektion: Probiere alles aus und entdecke, was dir Dinge und Orte tatsächlich bedeuten.