WIE MAN ZUM EXPERTEN FÜR LIEFERANTEN­BEZIEHUNGEN WIRD

Zoe Yuen, Director Global Apparel and Accessories Production

Als Director of Global Apparel and Accessories Production ist es meine Aufgabe, PUMAs Beziehungen zu Textillieferanten in Fernost zu überwachen. Sie erfordert Beobachtungsgabe, Kreativität und Einfühlungsvermögen und ich muss gut zuhören können.

Zoe Yuen

Ich muss zwar auch manchmal mit harten Bandagen kämpfen, aber in der Regel sind meine Fähigkeiten als Beziehungsexpertin gefragt. Unsere Beschaffungskette erstreckt sich über China, Taiwan, Vietnam, Kambodscha, Indonesien, Malaysia, Bangladesch und Sri Lanka, ca. 23 Lieferanten insgesamt, viele von ihnen betreiben mehrere Fabriken. Ich bin nun seit fünf Jahren bei PUMA und kann mit Stolz bestätigen, dass wir mit 70 Prozent unserer Lieferanten bereits seit mindestens zehn Jahren zusammenarbeiten.

Natürlich ist es wichtig, vertrauenswürdige Lieferanten zu finden; noch wichtiger ist es aber, sie an das Unternehmen zu binden. In den 15 Jahren, in denen ich in der Branche tätig bin, habe ich gelernt, wie man Lieferantenbeziehungen effektiv aufbaut und erhält. Hier sind meine Grundsätze:

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BEHANDLE DEN LIEFERANTEN WIE EINEN PARTNER

Ein Lieferant ist ein Partner in der Branche, für die Produktion und, wenn alles nach Plan läuft, für den Erfolg. Lieferanten sind großen Unternehmen schon lange nicht mehr in der Weise ausgesetzt, wie sie das mal waren, denn sowohl Unternehmen als auch Zulieferbetriebe werden von klugen, unternehmerisch denkenden Menschen geleitet. Beide sollten sich bewusst machen, dass sie einander brauchen, um zu überleben und stärker zu werden. Jedem Lieferanten, den du für die Produktion auswählst, gibst du die Chance, zu wachsen. Wenn er dann produziert und liefert, räumt er dir dieselbe Chance sein. Wenn wir unsere Lieferanten als Freunde und Partner betrachten, bekommen wir mehr als nur Produkte, nämlich sinnvolle Kontakte, neue Sichtweisen und bessere Ergebnisse.

HALTE ZAHLUNGSZIELE EIN

Denke immer daran, dass auch ein Produktionsbetrieb ein Unternehmen ist. Beide Seiten gehen Risiken ein. Ein Lieferant, der in großen Mengen für dich fertigt, könnte auch zu einem anderen Auftraggeber wechseln, vielleicht zu einem, der noch mehr Volumen in Auftrag gibt und daher einen höheren Gewinn verspricht. Leiste deine Zahlungen also rechtzeitig und beständig. Sei dem Lieferanten in Sachen Beziehung und Aufträge ein verlässlicher Partner.

KOMMUNIZIERE HÄUFIG UND KLAR

Kommunikation und persönliche Treffen helfen in jeder Beziehung, Missverständnisse zu vermeiden. Bei PUMA beispielsweise besuchen die Vertreter die Lieferanten regelmäßig, machen Stichproben und bilden einen Mitarbeiter des Lieferanten zum Qualitätsmanagementexperten aus. Dadurch stärken wir unsere Beziehung mit dem Lieferanten, denn dieser Mitarbeiter ist ja bei ihm angestellt, nicht bei uns. Dank Qualitätskontrolle während des gesamten Produktionsprozesses lassen sich Fehler vermeiden. Früher haben wir die Stichproben erst durchgeführt, nachdem die Produkte bei uns angeliefert wurden. Mit dem Qualitätsmanager vor Ort sparen wir eine Menge Zeit.

KENNE DEINE STÄRKEN UND ARBEITE MIT ANDEREN ZUSAMMEN

Wir bei PUMA nehmen gerne Lieferanten auf, die ihrer Arbeit mit Leidenschaft nachgehen und die jeweiligen Produktionsprozesse bis ins Detail kennen. Einige setzen bestimmte Materialien auf kreative Weise ein, andere nutzen neueste Technologien oder bauen ihren Fertigungsbereich so auf, dass er schnell und innovativ umgestaltet werden kann. Da wir ihre Stärken bereits im Vorfeld kennen, vertrauen wir darauf, dass ihre Produktion so effizient wie möglich ist. Dadurch haben wir mehr Zeit, um uns auf den Produktionsbereich zu konzentrieren, für den wir zuständig sind. Wir beteiligen uns außerdem an einem kollaborativen Prozess mit unseren Lieferanten. Das heißt, ein Mal pro Saison führen unsere kreativen Köpfe in den Fabriken Simulationen durch und prüfen Prototypen und sind damit Teil der Co-Creation. Materialien und Designs für bestimmte Produkte wählen wir gemeinsam aus.

Unsere Lieferanten stellen unsere Produkte nicht nur her, sie tragen auch dazu bei, sie zu verbessern.

BEI PROBLEMEN: FRAG NACH UND SUCH NACH LÖSUNGEN

Manchmal setzt ein Zulieferer Veränderungen im Management um oder fährt seinen Betrieb erst einmal runter, wenn Änderungen an der Technologie anstehen. Mit einigen Partnern haben wir schon Krisen durchgemacht und überstanden und haben die Partnerschaft nie aufgegeben, auch wenn es nicht leicht war. Ich erinnere mich an einen Fall, in dem es bei unserem größten Lieferanten zu Lieferverzögerungen kam. Von vielen Seiten wurde uns geraten, uns doch einfach einen neuen Zulieferer zu suchen. Ich wollte die Beziehung aber fortführen, denn ich war fest davon überzeugt, dass wir die Situation mit Kreativität und Geduld richten könnten. Wir verlagerten also einen Großteil an andere Lieferanten und führten ein neues Kontrollsystem ein. Nach ungefähr einem Jahr hatte sich die Situation beruhigt, sodass wir letztendlich größere Mengen als je zuvor von diesem Betrieb fertigen lassen konnten. Das funktioniert natürlich nicht immer und manchmal muss man Lieferantebeziehungen auch aufgeben. Aber es lohnt sich, partnerschaftlich an Lösungen zu arbeiten.

Das Produktionsgeschäft ist kompliziert, aber lukrativ. Die meisten unserer Branchenpartner inspirieren mich immer wieder aufs Neue. Kooperative Partnerschaften über mehrere Jahre hinweg stärken das Qualitäts- und Wachstumspotential ins Unendliche. Und: Du siehst den Lieferanten als Familienmitglied. 

Wenn du diese Grundsätze einhältst, gibst du jeder Herausforderung die Chance, letztendlich zum Erfolg deines Unternehmens beizutragen.